Route des Grandes Alpes 2017

Hier findet ihr Berichte über unsere Ausfahrten / Rennen etc. !!!
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Sonnengott
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Route des Grandes Alpes 2017

  • Di 1. Aug 2017, 19:30
  • Zitat
Hi!

Gestern hatten wir in der Unterkunft kein Internet, heute werden wir auch schon in Kürze schlafen gehen, deshalb noch kein Bericht, aber ein Bild von heute früh.
Berichte folgen später.

Grüße
Philipp

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HR Lutscher
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Re: Route des Grandes Alpes 2017

  • Di 1. Aug 2017, 22:19
  • Zitat
[death]
Anti-Bergziege Michael [sonne] [fahrrad]

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Maren
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Re: Route des Grandes Alpes 2017

  • Mi 2. Aug 2017, 07:57
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[crazy2]
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Re: Route des Grandes Alpes 2017

  • Mi 2. Aug 2017, 11:22
  • Zitat
Ist das diese Tour?

Routes des Grandes Alpes

Die 677 Kilometer lange Route des Grandes Alpes führt vom Genfer See an die Côte d’Azur. Hier reihen sich die berühmtesten Tour-de-France-Pässe aneinander. Mehr als 16.000 Höhenmeter, verteilt auf sieben Tage, verlangen vom Radler ein gewisses Maß an Leidensfähigkeit.

• Etappe 1: Zwei Pässe zum Auftakt (88 km, 2.000 hm, max. 10 Prozent Steigung)
• Etappe 2: Die Königsetappe (127 km, 3.797 hm, max. 10 Prozent Steigung)
• Etappe 3: Das Dach der Tour (105 km, 1.920 hm, max. 8 Prozent Steigung)
• Etappe 4: Die Klassiker: Galibier und Izoard (103 km, 2.420 hm, max. 14 Prozent Steigung)
• Etappe 5: Nacht in dünner Luft (78 km, 2.240 hm, max. 10 Prozent Steigung)
• Etappe 6: Heißer Asphalt der Seealpen (104 km, 2.250 hm, max. 8 Prozent Steigung)
• Etappe 7: Triumphfahrt ans Meer (72 km, 1.470 hm, max. acht Prozent Steigung)
Anti-Bergziege Michael [sonne] [fahrrad]

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Re: Route des Grandes Alpes 2017

  • Do 3. Aug 2017, 15:28
  • Zitat
Das ist bis auf ein paar Umwege und Abstecher die gleiche Strecke. Allerdings fahren wir es in Eigenregie und in sechs Tagesetappen.
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Sonnengott
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Tag 1: Vom Genfer See nach Les Saisies

  • Do 3. Aug 2017, 15:56
  • Zitat
Am Samstag sind wir ganz früh aufgestanden und um 5 Uhr morgens saßen wir bereits alle im Kleinbus. Räder hatten wir am Freitag Nachmittag bereits verpackt. Die Autofahrt lief relativ flüssig und um 16 Uhr trafen wir bei unserem Quartier in Thonon-les-Bains ein. Ein wenig haben wir uns den Ort noch angesehen, dann ein Abendessen geholt und früh schlafen gegangen. Denn um 7 Uhr wollten wir uns am Sonntag bereits auf die Strecke begeben. Die Wettervorhersage drohte mit Gewittern ab dem Nachmittag.

Der Genfer See am Samstag:
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Zu viert machten wir uns am Sonntag früh auf den Weg. Brigitte wollte nur einen Teil der Strecke fahren und sagte uns schon bald, dass wir nicht auf sie warten sollten. Die ersten 33 Kilometer führen nur sanft nach oben (1,7% im Schnitt, nur zwei kürzere Abschnitte mit 6%). Ab dort blieb Paul auf der Originalstrecke über den Col de Gets (1163m). Michael und ich bogen nach Morzine ab, um von dort an den Col du Joux Plane (1700m) mit dem vorgelagerten Col du Ranfolly (1656m) in Angriff zu nehmen, welcher landschaftlich um Längen schöner ist, aber zwangsläufig 15km Umweg und einige zusätzliche Höhenmeter mit sich brachte. Oben konnten wir tatsächlich das Montblancmassiv sehen, auch wenn der Gipfel samt Gletscher von Wolken verdeckt war.

Der Col de Joux Plane mit Montblanc im Hintergrund:
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Nach der Abfahrt folgte der Col du Chattilon, mit 738m und nur etwa 100 Höhenmetern ein reiner Übergangspass. Danach folgte mit dem Col de la Colombiere (1613m) allerdings ein ganz anderes Kaliber, welcher bei der Tour de France immer wieder mal gefahren wird und dort als "Hors Categorie" - also die höchste Kategorie - eingestuft ist. Oben trafen wir aufgrund der verschiedenen Strecken und Geschwindigkeiten alle einzeln ein und machten die obligatorischen Fotos am Passschild. Dann begann es dort aber zu regnen, so dass wir uns schleunigst Regenklamotten überzogen und uns wieder auf die Socken machten. Zum Glück war dies nur ein kurzer Schauer und die Abfahrt war auch nicht allzu nass. Dann kam der Col des Aravis (1487m), der mit seinen Kuhweiden nicht wirklich hochalpin anmutet. Kurz vor Ende der Abfahrt begann es wieder zu regnen und wenig später zu schütten und gewittern. Das Gröbste konnte ich unter einem Regenschutz aber abwarten. In Flumet (ein schöner kleiner Ort an einer Schlucht) begann der letzte Anstieg des Tages zum Col des Saisies (1650m). Dort oben hatten wir auch unser Hotel reserviert. Leider kam dort schon wieder das nächste Gewitter und binnen weniger Minuten war ich trotz Regenjacke und Überschuhen ziemlich durchnässt. Dementsprechend angenehm war die Nachricht, dass wir im Hotel einen Whirlpool benutzen dürften.

Flumet:
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Insgesamt kam ich am ersten Tag auf 148,5km und 3960 Höhenmeter (real vermutlich ein wenig mehr, weil der Garmin im Tal meist die richtige Höhe hatte, am Gipfel aber ~50m weniger anzeigte). Die ganze Aufzeichnung ist hier.
Zuletzt geändert von Sonnengott am Di 8. Aug 2017, 20:17, insgesamt 2-mal geändert.
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Tag 2: Von Les Saisies ins Maurienne-Tal

  • Do 3. Aug 2017, 16:22
  • Zitat
EIgentlich hatten wir als erste Zwischenstation Beaufort geplant. Durch einen Fehler beim Buchen lag unsere Unterkunft aber 20km früher oben auf dem Pass. Im Nachhinein hat sich dies als Glück erwiesen, da wir so nicht die nasse Abfahrt nehmen mussten. Andererseits wurde unsere zweite Etappe dadurch noch länger als sie ohnehin schon gewesen wäre.

Auch am zweiten Tag setzten wir uns um kurz nach 7 auf die Räder. Als erstes stand der Cormet de Roselend (1968m) mit einem "Zwischenpass" am Stausee Lac de Roselend, dem Col du Meraillet (1605m) auf dem Programm. Ich nahm wieder einen kleinen Umweg von ~3km über den Col du Pre (1703m) in Kauf, da dort der Ausblick über den See besonders schön sein sollte. Das Wetter war leider noch sehr wolkig, der Ausblick war aber dennoch schön.

Lac de Roselend:
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In der Abfahrt traf ich Paul (einen, gelinde gesagt, sehr vorsichtigen Abfahrer) wieder, Michael habe ich unwissentlich ebenfalls überholt, als er sich am Straßenrand die Windjacke auszog. Der erste Zweitausender unserer Fahrt war nun der Col de l'Iseran (2770m), der höchste asphaltierte Alpenpass. Die erste Hälfte der 40km ab Bourg-Saint-Maurice hat eher Schnellstraßencharakter und ist alles andere als schön. Auch Val d'Isere ist ein ziemlicher Touristenort voller Bettenburgen. Dort machte ich Pause an einem Supermarkt, um meinen Heißhunger zu stillen (und weil süße Riegel auf Dauer auch nicht schön sind), wodurch alle Mitfahrer wieder vor mir waren. Ab Val d'Isere sind es noch 14km und 900Hm bis zum Iseran, die durch einen kräftigen Südwind auch noch erschwert wurden. Nach und nach holte ich meine Begleiter wieder ein und so konnten wir am Gipfel gemeinsam mit Josi (der uns mit dem Kleinbus immer wieder tatkräftig unterstützte) unsere Ankunft auf dem höchsten Punkt des Tages feiern. Von da an ging es fast nur noch bergab, allerdings noch immerhin etwa 80km.

Auf der Abfahrt vom Iseran:
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In Saint-Michel-de-Maurienne standen für mich am Ende 182,2km und 3616Hm zu Buche.
Zuletzt geändert von Sonnengott am Di 8. Aug 2017, 20:20, insgesamt 1-mal geändert.
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Tag 3: Über den Galibier nach Briancon

  • Do 3. Aug 2017, 16:36
  • Zitat
Am dritten Tag machten Michael und ich uns erneut auf einen Umweg. Dieser führte uns zu den Lacets de Montvernier und den Col du Chaussy (1533m). Ein wunderschöner Anblick und (im Vergleich mit den anderen Bergen hier) auch gar nicht sonderlich steil: Die Kehren bis Montvernier haben auf 3km Länge etwa 8% im Schnitt, danach wird es merkbar flacher.

Lacets de Montvernier von unten
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...mittendrin...
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...und von oben
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Col du Chaussy:
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Gegen den starken Wind fuhren wir wieder zum Ausgangspunkt in Saint-Michel-de-Maurienne, wo die Straße zum Col du Galibier abzweigt. Zuerst stand aber der Col du Telegraphe (1566m) an, der immerhin auch ~850Hm hatte. Von dort muss man ein paar Kilometer bergab nach Valloire, um den Galibier (2642m) in Angriff zu nehmen. Zuerst war es teilweise über 30° heiß, auf 2000m Höhe auch noch 25°. Dann legte sich aber eine Wolke über den Gipfel und brachte zusätzlich zum Wind auch noch Regen. Bis ober war die Temperatur unter 15° gefallen und der Wind hätte mich sogar im Stehen fast vom Rad geblasen. Ein Fahrer eines Kleinbusses (mit Berliner Kennzeichen) bat mir an, uns zum Col du Lautaret (2058m) herunter zu bringen. Bis ich meine Weste und meine Jacke angezogen hatte und Michi auch am Pass eingetroffen war, hatte sich der Wind aber so weit beruhigt, dass wir uns trauten - wenn auch vorsichtig - in die Abfahrt zu gehen. Am Lautaret, einem Pass auf einer großen Verbindungsstraße, konnten wir uns der zusätzlichen Klamotten entledigen und uns auf die letzten schnellen Kilometer bis nach Briancon machen.

Insgesamt standen am Dienstag 133,5km und 3314Hm zu Buche.
Zuletzt geändert von Sonnengott am Di 8. Aug 2017, 20:24, insgesamt 1-mal geändert.
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Tag 4: Über drei Zweitausender nach Jausiers

  • Do 3. Aug 2017, 16:41
  • Zitat
So seltsam es auch klingen mag: Nachdem die ersten beiden Tage recht auslaugend waren - der erste wegen der Nässe, der zweite vor allem wegen der langen Fahrt durch das Maurienne-Tal bei andauerndem Gegenwind - hatte ich mich am dritten Tag über den Galibier ein klein wenig geschont (so weit das am Galibier eben möglich ist [zunge]). Das alles hatte ich in Hinblick auf diesen Tag gemacht, denn am Mittwoch standen drei lange und hohe Berge an.

Den Beginn machte der Col d'Izoard (2360m), in den es fast unmittelbar nach dem Start hinein ging. 20km sollte der Anstieg dauern. Um diese Uhrzeit (wir waren wieder kurz nach 7 gestartet) haben wir unterwegs nur 3-4 Autos getroffen, sowie kurz vor dem Gipfel noch zwei Radler in der Gegenrichtung. Das hat schon etwas meditatives, einen langen Berg so einsam hoch zu fahren.

Die Nordauffahrt des Izoard:
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Oben war dann auch nur ein anderer Radfahrer. Bis ich meine Fotos gemacht hatte, war Michael auch oben angelangt und wir machten uns gemeinsam auf die Abfahrt.

Am Izoard:
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Nach 2,5km gibt es dort eine "Zwangspause", denn dann erreicht man die Casse Desert mit den skurrilen Felsformationen, die man unter anderem dieses Jahr bei der Bergankunft der Tour im Fernsehen bewundern konnte. Dementsprechend war die Abfahrt mit Anfeuerungen (in erster Linie für Bardet, Barguil und Aru) "zugepflastert".

Casse Deserte:
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Nach der Abfahrt und einem kurzen Flachstück folgte als Höhepunkt der Col d'Agnel (2744m), der dritthöchste asphaltierte Alpenpass. Diesen Abstecher haben wir eigentlich nur aufgrund der Höhe des Gipfels in Angriff genommen, aber auch landschaftlich stellte er sich als wunderschön heraus, wahrscheinlich mein Lieblingspass der Woche. Auf ~2000m Höhe fährt man einige Zeit ein hochgelegenes Tal hinauf, mit einem kleinen Bach, vereinzelten Wäldchen, Blumen und einigen Murmeltieren, die hier gar nicht mal so scheu waren.

Das Hochtal
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und eines der Murmeltiere
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Die letzten paar Kilometer wurde es dann hochalpin, bis sich am Pass ein großartiges Panorama bot (wozu das klare Wetter auch seinen Beitrag leistete). Ein kleiner "Abstecher" nach Italien war selbstverständlich, denn der Pass liegt genau auf der Grenze. Oben befand sich auch ein (inoffizieller?) Gedenkstein für Michele Scarponi, der kurz vor dem Giro im Training von einem Auto angefahren und verstorben war. Ein wenig mulmig ist mir bei dem Gedanken im Nachhinein besonders deshalb, weil mich auf dem Weg nach unten ein entgegen kommender Autofahrer ebenfalls übersehen hat und mich beim Abbiegen auf einen Parkplatz beinahe umgesemmelt hätte. Nach der Notbremsung hatte ich entsprechend weiche Knie und bin den Rest der Abfahrt deutlich gehemmt herunter gefahren.

Blick vom Pass Richtung Italien
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und Richtung Frankreich (wo wir rauf und auch wieder runter gefahren sind)
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Nach der Abfahrt zog sich die Straße noch etwa 20km meist leicht abfallend bis Guillestre hin, welches auf 1000m Höhe liegt und somit der tiefste Punkt des Tages war. Auf dem Weg dahin fährt man durch eine wunderschöne Schlucht, die der (die?) Guil in die Felsen geschnitten hat. Dort zeigte mein Garmin schon über 35° an, was aber wegen des Fahrtwindes nicht unangenehm war.

Ein Teil der Schlucht:
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In Guillestre ging es direkt in den 19km langen Anstieg zum Col de Vars (2109m), der in der Mitte beim namengebenden Ort Vars ein knapp 3km langes Flachstück hat. In dem weniger schönen unteren Abschnitt auf einer breiten Straße begann die Temperatur stetig zu steigen, bis schließlich 38,7° auf der Anzeige stand. [drunken] Eine Bewässerungsanlage auf einem Feld neben der Straße gab zumindest kurzfristig einen leichten Nebel auf die Fahrbahn ab, der sehr willkommen war. In Vars ließ ich mich am erstbesten Brunnen nieder, füllte meine Flaschen auf und erholte mich ein wenig im Schatten. Die zweite Hälfte des Anstiegs war hitzemäßig dann nicht mehr schlimm und ich erreichte die Passhöhe in so guter Verfassung, dass ich noch einen kleinen Sprint hinlegen konnte. Die Abfahrt war schnell vorbei und auf dem Weg nach Jausiers, unserem nächsten Etappenort, konnte man in einigen Orten noch die Dekoration von der Tour de France Etappe bewundern.

An diesem Tag standen am Ende 142,9km und 3708Hm zu Buche.
Zuletzt geändert von Sonnengott am Di 8. Aug 2017, 20:31, insgesamt 2-mal geändert.
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Sonnengott
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Tag 5: Cime de la Bonette und Hitzeschlacht

  • Do 3. Aug 2017, 16:42
  • Zitat
Die vorherigen Nächte waren für mein Dafürhalten eher kurz. Da der fünfte Tag mit einem langen Anstieg beginnen sollte und ich dort normalerweise um einiges schneller als meine Mitfahrer unterwegs war, hatte ich mich entschieden, ein wenig verzögert zu starten. Aus "ein wenig verzögert" wurde dann viertel vor 9, wobei die anderen schon um 7 gestartet waren. Meine Laune war nach dem vorherigen Tag bestens, die letzten beiden Etappen sollten auch nur 100 bzw. 84 Kilometer lang sein. Kaum der Rede wert im Vergleich zu den ersten Tagen. [wink]

Der lange Anstieg führte auf den höchsten Punkt unserer Tour, die Cime de la Bonette (2802m). Dieser ist aber kein Pass im eigentlichen Sinne, sondern eine Extraschleife von ~2km Länge vom eigentlichen Pass (2715m). Daher sind die Schilder "Le plus haute de Europe", die man den Weg entlang ständig sah, auch übertrieben, denn es ist weder der höchste Pass (in den Alpen sind Iseran, Stelvio und Agnel höher) noch die höchste asphaltierte Straße (in den Alpen gebührt diese Ehre Österreich mit der Ötztaler Gletscherstraße auf 2830m; in der Sierra Nevada kommt man sogar auf über 3000m). Egal, ein Highlight ist der Anstieg so oder so. Mit dem Wetter hatten wir riesiges Glück, denn nicht nur war der Himmel strahlend blau, sondern auch der starke Südwind der Vortags war wie weggeblasen (hihi). Der obere kahle Bereich und vor allem der erste Abschnitt der Abfahrt wäre sonst ziemlich ungemütlich geworden. Irgendwie hat mich an dem Tag der Hafer gestochen und ich bin den Anstieg in netto ~1:39h mit ~270 Watt hochgefahren. Ob das in Hinsicht auf den Rest klug war?

Ein Stück vor dem Gipfel:
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Am Gipfel:
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Eine super Aussicht:
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Nach der Abfahrt holte ich an einem kurzen Gegenanstieg Paul und Brigitte ein und entschied mich, sie den Rest des Tales - immerhin noch gut 30km - bis zum Beginn des Schlussanstiegs zu begleiten und ihnen Windschatten zu bieten. Auf die Art hatte ich ein wenig Erholung. [fahrrad] Das Tal herunter wurde es immer heißer und Brigitte entschloss sich bei 38° den letzten Anstieg nicht mehr zu fahren, sondern ins Auto einzusteigen. So ging es nur für Paul und mich auf den Col Saint Martin (1500m), auf dem sich unsere Unterkunft befand. Michael war irgendwo vor uns auf der Strecke, an dem Tag habe ich ihn erst im Hotel wieder gesehen. Unten hinein ist der Anstieg (der immerhin auch ~1100 Höhenmeter hat) ganz hübsch, führt über einige Galerien, die man in den Fels geschlagen hat, und bietet eine schöne Aussicht über das Tal. Nach Fotostops war aber niemandem von uns zumute, denn das Thermometer kletterte unerbitterlich, bis es schließlich 43,0° erreichte. [crazy2] Da fährt man nur noch wie in Trance - bloß nicht zu schnell (nicht überhitzen), aber auch nicht zu langsam (sonst muss man diese Sch...hitze noch länger ertragen). Wie am Vortag war auch hier ein Brunnen mit etwas Schatten in der Nähe die Rettung. Ein tolles Gefühl, das Bandana-Tuch in Wasser zu tränken und es sich so wieder auf den Kopf zu setzen. [shy] So gekühlt lief der Rest des Anstiegs etwas besser. Der Ort oben auf dem Pass gibt nicht viel her, unser Hotel lag aber ein wenig abseits und war recht nett.

Mit 99,4km und 2522Hm (wobei es eigentlich mindestens 2750Hm sein müssten: Bonette 1600Hm, Gegenanstieg 50Hm, Saint Martin 1100Hm) lesen sich die Zahlen schon deutlich angenehmer.
Zuletzt geändert von Sonnengott am Di 8. Aug 2017, 20:33, insgesamt 2-mal geändert.
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HR Lutscher
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Re: Route des Grandes Alpes 2017

  • Do 3. Aug 2017, 19:24
  • Zitat
3x > 3 HKm [daumenrauf] is nichts für mich [engelchen]
Anti-Bergziege Michael [sonne] [fahrrad]

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Maren
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Re: Route des Grandes Alpes 2017

  • Fr 4. Aug 2017, 07:37
  • Zitat
Boah, super. Gerne noch mehr Bilder! [engel]
Cino
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Re: Route des Grandes Alpes 2017

  • Sa 5. Aug 2017, 05:54
  • Zitat
Ganz tolle Berichte, danke! Wahnsinnstour. Könnte mir auch gefallen. Müsste dann zwar 12-18 Tage draus machen und zwischendurch die Wanderschuhe anziehen, um mich und das Fahrrad auf den Berg zu bekommen. Landschaftlich scheint das ja der Hammer zu sein. VG, Henning
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HR Lutscher
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Re: Route des Grandes Alpes 2017

  • Sa 5. Aug 2017, 19:01
  • Zitat
Cino hat geschrieben: VG, Henning


[frage]
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Sonnengott
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Tag 6: Auf zur Cote d'Azur

  • Mo 7. Aug 2017, 21:17
  • Zitat
Noch etwa 84 Kilometer bis zum Ziel, welches auch noch 1500 Meter niedriger als der Ausgangspunkt lag - das klingt doch super nach fünf anstrengenden Tagen. Trotzdem sind wir wie gewohnt kurz nach 7 gestartet. Um die Zeit waren die Temperaturen angenehm warm, denn immerhin stand zuerst eine Abfahrt auf dem Programm. Nach über 20km Fahrt kamen wir an die Abzweigung zum Col de Turini (1607m), der ein fester Bestandteil der Rallye Monte Carlo ist und auf allen vier möglichen Anfahrten mit zahllosen Serpentinen aufwartet. Das letzte große Hindernis auf unserer Fahrt, also warum nicht noch mal die Sau raus lassen? [grin] Dass am sechsten langen Tag in Folge noch 321 Watt über 59 Minuten drin waren, stimmt mich jedenfalls optimistisch für Hartberg. [bergziege] Doof nur, dass Michael und ich vor Beginn des Anstiegs eine Weile anhielten, um auf Paul und Brigitte zu warten. Das Strava-Segment beginnt dummerweise schon vorher, so dass meine dort gewertete Zeit 7:07 Minuten Standzeit beinhaltet. [wut] Ansonsten wäre ich dort auf Platz 121 von 2.508 Fahrern. [winner] Oben hatte ich aufgrund der Anstrengung erst einmal einen Hustenanfall. [peng]

Die Abfahrt hat nur mäßigen Straßenbelag, macht mit den vielen Serpentinen aber durchaus Spaß. Ab und zu hat man richtig guten Ausblick auf das, was noch vor einem liegt. Die ganze Umgebung wirkte schon deutlich mediterraner als die Tage zuvor.

Abfahrt mit Schlucht und Serpentinen:
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Die Abfahrt endet in Sospel, von wo es zum letzten Pass, den Col de Castillon (706m), hoch geht. Nach all den langen und hohen Bergen wirken ~350 Höhenmeter auf 7km nicht gerade furchteinflößend. Da ich mich am Turini schon ausgetobt hatte, bin ich mit Michael zusammen eher gemütlich hoch gefahren. Oben gibt es außer dem Passschild nicht viel zu sehen, deshalb sind wir quasi umgehend in die Abfahrt gegangen. An einer geeigneten Stelle etwa 6km vor Menton haben wir uns dann nieder gelassen, um auf die anderen zu warten. Die gemeinsame Ankunft im Zielort Menton war fest eingeplant und wurde so auch durchgezogen. In Menton sind wir dann zuerst zur Strandpromenade gefahren, um dort das Mittelmeer zu bewundern. Danach ging es ins Hotel, wo wir aber (es war erst 13 Uhr) noch nicht in die Zimmer konnten. Zumindest konnten wir aber das Auto und die Räder dort abstellen und uns wieder an den Strand begeben. Am Abend wurde die erfolgreiche Bezwingung der Route des Grandes Alpes mit einem leckeren Essen gebührend gefeiert. [smile2]

Das Meer:
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Zum Abschluss gab es noch einmal 84km und 1416Hm (die Strava-Aufzeichnung endet am Ortsschild von Menton, weil versehentlich "speichern" gedrückt wurde - die zweite Datei ist auch auf Strava, aber eher langweilig [wink]).
Zuletzt geändert von Sonnengott am Di 8. Aug 2017, 20:35, insgesamt 1-mal geändert.
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Sonnengott
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Re: Route des Grandes Alpes 2017

  • Mo 7. Aug 2017, 21:18
  • Zitat
Morgen werde ich dann die Berichte um ein paar Fotos ergänzen. [huepfer]
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Re: Route des Grandes Alpes 2017

  • Di 8. Aug 2017, 20:41
  • Zitat
Nun sind die Berichte auch mit ein paar Bildern ausgestattet. Um das Format des Forums nicht zu sprengen, habe ich jeweils nicht die größte Auflösung genommen. Alle Bilder in voller Auflösung (und noch ein paar mehr) finden sich hier.

Begleitet hat mich Theobald, der kleine Mathematiger. Den kennt Pedi ja auch aus ihrer Stippvisite in Graz:
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Er ließ es sich nicht nehmen, auf jedem Passschild Platz zu nehmen, um sich dort ablichten zu lassen.
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Re: Route des Grandes Alpes 2017

  • Fr 11. Aug 2017, 11:47
  • Zitat
Wirklich super der Bericht und ich bin 100% sicher das ich die Tour nicht nachfahre [engelchen]
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Alte Schwedin
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Re: Route des Grandes Alpes 2017

  • Fr 11. Aug 2017, 13:53
  • Zitat
Toller Bericht und super Tour.
Ich werde die Tour erst fahren, wenn es E- Bikes mit 200 km Reichweite gibt.
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Maren
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Re: Route des Grandes Alpes 2017

  • Mo 14. Aug 2017, 08:55
  • Zitat
Auch von mir ein dickes Danke für die Mühe mit dem Bericht. Bild und Text sind großartig. Danke für's Teilhabenlassen!
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David
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Re: Route des Grandes Alpes 2017

  • Mi 6. Sep 2017, 08:24
  • Zitat
sehr geile Bilder leute :D

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