Ötztaler 2010

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Racing Ralf
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Ötztaler 2010

  • Mo 30. Aug 2010, 22:23
  • Zitat
Ötztaler Radmarathon 2010

Freitag um 4:00Uhr morgens klingelt der Wecker, aufstehen Rainer kommt um fünf Uhr wir wollen rechtzeitig ankommen. Schnell die Sachen ins Auto geladen und los, es regnete auf der ganzen Fahrt bis nach Sölden. Wir sind aber dank der frühen Startzeit sehr gut durchgekommen und waren schon um 15:30Uhr in Sölden. Dort angekommen sind wir erst mal ins Hotel und haben uns ein wenig ausgeruht, später dann die Anmeldezeremonie verlief auch stressfrei und ohne lange Wartezeiten und Gedrängel. Auf der Messe haben wir uns ein wenig umgesehen und sind Abends zum Händlessen in die Freizeitarena gegangen.
Samstag, ausschlafen (soweit man das so nennen kann), ergiebig frühstücken und ein wenig an den Rädern putzen und schrauben. Anschließend nochmal ins Dorf, das Eine oder Andere muss ja noch, um sein Gewissen zu beruhigen, eingekauft werden. Es regnete eigentlich den ganzen Tag, wie soll das Wetter bloß morgen werden? Der Wetterbericht sagt nicht so viel besseres Wetter voraus, nur 70% Regenwahrscheinlichkeit und Temperaturen um 4 Grad Celsius.
Ab 17:00Uhr wurden die classic Räder und deren Fahrer vorgestellt, anschließend gab es Pasta oder Kartoffeln in verschiedenen Variationen. Richtig was für die Augen gab es als der Vizeweltmeister im Bodypainting seine Performance vorführte. Einige Tipps von Dr. Sowieso und die Fahrerbesprechung beendeten den Abend.
Normalerweise habe ich vor Rennen oder anspruchsvollen Marathons immer Schlafprobleme, in dieser Nacht konnte ich erstaunlich gut schlafen. Der Wecker ging schon wieder um vier Uhr morgens. Startaufstellung war ab 5:30Uhr, wir wollten auch nicht so spät sein, also waren wir um sechs Uhr am Start. Es war richtig kalt, 8 Grad Celsius in Sölden, 4 Grad auf dem Kühtai, die Straße war nass, aber es regnete nicht. Dick angezogen mit gefütterten Arm- und Beinlingen, Winterhandschuhen und Regenjacke verharrten wir bis um 6:45Uhr im Startblock und warteten dass es endlich losgeht. Um 6:30Uhr wurden schon mal die classic Fahrer gestartet, der erste Startblock eine viertel Stunde später und wir zwei weitere Minuten später.
Die ersten Kilometer waren neutralisiert, wovon man eigentlich nichts mitbekommen hat. Die Strecke führte durch einige kleine Orte immer leicht bergab bis zum zweiten Kreisel in Ötz, hier musste mit dem Abbiegen gleich auf das kleine Kettenblatt geschaltet werden. Nach 32 km, hier geht es los. Der Anstieg zum Kühtai hat nicht allzu viel zu bieten, rechts und links nur Wald und Fels. Mein Polar zeigte bei Geschwindigkeiten unter 14km/h nicht mehr an, so wusste ich nie genau wie weit ich bin und was noch vor mir liegt. Warum das Ding Kühtai heißt? Die Kühe laufen tatsächlich frei und mitten auf der Straße herum. An der Labestation habe ich mich nicht lange aufgehalten, ein Becher Wasser, das war so kalt, als hätten die es direkt aus der Quelle entnommen, und weiter, Jacke zu und runter. Die Abfahrt war auch nicht wirklich spannend, aber schnell, immerhin 86km/h und ein paar Weidegatter über die man einfach gerade rüberbrettern muss, bloß nicht bremsen oder hektische Bewegungen.
Die Auffahrt zum Brenner ist sehr einfach, die Regenjacke und die Winterhandschuhe sind mittlerweile in den Trikottaschen verstaut. Hier lohnt sich ab und zu mal ein Blick ins Tal, wirklich sehenswert. Die maximale Steigung beträgt 12%, in der großen Gruppe kommen Geschwindigkeiten von 40km/h zustande. Nach weiteren 76km ist die Passhöhe und somit die zweite Labestation erreicht. Hier wird schon mal etwas mehr zugeschlagen, Trinkflaschen auffüllen, Kuchen und weiter geht’s. Es ist übrigens warm und die Sonne scheint. Regenjacke und die dicken Handschuhe bleiben in der Trikottasche, lediglich die Armlinge werden hochgezogen und die Windweste wird geschlossen.
Das Schöne am Bergfahren ist, dass man auch immer wieder bergab fahren kann. Vor dem Anstieg zum Jaufenpass werden Armlinge und Überschuhe noch in den Trikottaschen verstaut, am liebsten hätte ich auch noch meine Beinlinge ausgezogen, aber ich hatte keinen Platz mehr dafür.
Der Aufstieg hat‘s jetzt wirklich in sich, wie weit ist es bis oben? Auf dem Höhenprofil kann ich das nicht wirklich erkennen. Mein Alter kann ich auch nicht mehr verbergen, muss wohl doch mal zum Augenarzt. Mein Tacho funktioniert auch nicht. Viele Fahrer überholen mich, ich überhole andere. Die Muskeln fangen an zu rebellieren. Wie weit ist es noch? Egal, ich trete einfach so weiter, bis ich oben bin. Die Gedanken spielen verrückt, teilweise Kurbeldrehzahlen von 45 und weniger, das ist nicht wirklich schnell. Der Puls ist gar nicht mal so hoch, oberer GA2 Bereich, manchmal eben über 150, nicht mehr. Das ist glaube ich ganz gut, so müsste ich doch gut durchkommen. Dr. Sowieso erzählte uns wir sollen Selbstgespräche führen, das tue ich sowieso, ich schalte mein Kopfkino ein. Die Vorstellung die nächste Abfahrt zu genießen bringt mich schon weiter, aber die Vorstellung in Sölden durch ein Spalier tobender Zuschauer zu fahren bringt meine Haare zum Stehen, und es geht weiter. Endlich oben, die Labe wird überfallmäßig in Angriff genommen, gierig werden Cola, Red Bull und Kuchen verschlungen, Weste zu, Armlinge an und runter nach St. Leonard. Die Abfahrt war schön, nicht so schnell, nur 50 bis 60km/h, aber einige Spitzkehren und fahrtechnisch schon anspruchsvoll. Hier brauchte man schon einen klaren Kopf.
Unten angekommen wieder alles überflüssige ausziehen und auf geht’s, die Königsdisziplin.
26km bis zur Passhöhe Timmelsjoch. Das war wirklich hart, 12, 13, 14%, zum Glück kam die erste Labe nach 18km. Nur kurzer Aufenthalt, Cola, Red Bull und Kuchen, weiter, Kopfkino einschalten, Gänsehaut und feuchte Augen schon bei der Vorstellung ins Ziel zu kommen helfen über den Berg. An der nächsten Labe 9km weiter bin ich ohne anzuhalten vorbei gefahren, es waren nur noch 7,4km bis zur Passhöhe. Unglaublich aber wahr, ich bin dort angekommen. Jetzt fast nur noch bergab! Armlinge hoch und tiefe Lenkerhaltung, es geht hier nur geradeaus. So schnell wie oft erzählt wird werde ich allerdings nicht, obwohl ich mein Rad voll laufen lasse. Der Gegenwind ist so stark, ich schätze kaum 80km/h erreicht zu haben. Der Gegenanstieg wird in Form einer Wand sichtbar, niemand würde daran denken den Bremshebel nur zu berühren, trotzdem muss man die 12% noch hinauf treten. Jetzt ist aber wirklich Schluss, nur noch ins Ziel rollen, durch Obergurgel, dort war ich Anfang der 90er mal zum Skifahren, Zwieselstein, Sölden und die Zieldurchfahrt.
Getöse und Getrommel, Gänsehaut und feuchte Augen, Endorphine ohne Ende, das Ende meiner Träume.
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HR Lutscher
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RE: Ötztaler 2010

  • Di 31. Aug 2010, 11:57
  • Zitat
Im Rennen gibt es genaugenommen nur zwei Typen von Fahrern: Die Einen, die um's Überleben kämpfen und die Anderen, die daran Schuld sind. Es ist ratsam, zu den Anderen zu gehören! [metal]
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Step165
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RE: Ötztaler 2010

  • Di 31. Aug 2010, 12:34
  • Zitat
... und keine Bilder ??
Zuletzt geändert von Step165 am Di 31. Aug 2010, 12:34, insgesamt 1-mal geändert.
Stefan

Alle angenehmen Dinge sind entweder unmoralisch, illegal oder machen Dick...

ach ja, ein paar RTF`s und Rennen hab ich auch gefinish`t ;-)
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Rene_auf_100
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RE: Ötztaler 2010

  • Di 31. Aug 2010, 15:59
  • Zitat
Ich bin von den Füssen!

Der Ralf hat den Ötzi geschafft .
Gruss René

Im Winterschlaf :-)
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Racing Ralf
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RE: Ötztaler 2010

  • Di 31. Aug 2010, 16:17
  • Zitat
Hier noch ein kleiner Nachtrag und der Link für die Bilder, die sind allerdings nicht so doll.
Mit dem billigen Handy aus der Fahrt, wo man nichts auf dem Display sehen kann und erst mal die ständigen Tarifinfos wegklicken muss war das nicht so einfach.
Hatte gestern dann auch keinen Bock mehr, den ganzen Tag Autofahren das nervt.

An der Freizeitarena herrschte jetzt Chaos, keiner wusste scheinbar wirklich wo er hin will oder soll. Hab mich irgendwie schnell durchgedrängelt und einen Platz für mein Rad gesucht, schnell eine SMS getippt und den Transponder abgegeben. Oben in der Arena war alles gut organisiert, ich bekam sofort die Urkunde und mein Trikot. Mit breitem Grinsen bin ich dann langsam zum Hotel, Rainer war schon da, fertig geduscht usw. Ich musste mich jetzt erst mal ausruhen, später sind wir dann wieder in die Arena gepilgert, dort war Party und Siegerehrung, eine Vorführung von zwei Trailbikern uvm.
Als wir abends zum Hotel zurück gingen, nieselte es ein wenig, in der Nacht hörte man schon den Regen auf das Dach prasseln. Am nächsten Morgen schüttete es wie aus Eimern, es regnete fast die ganze Rückfahrt über bis kurz vor Hamburg.
Was hatten wir doch für Glück mit dem Wetter.

Bilder: http://picasaweb.google.de/rawes202/Otzt...arathon20100829#

Gruß Ralf
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Think
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RE: Ötztaler 2010

  • Di 31. Aug 2010, 19:23
  • Zitat
Einfach toll Ralf, Hut ab vor deiner Leistung...Ich wünschte ich könnte das auch Na ja Bergab wäre ich schneller gewesen


Nette Fotos, besonders von der Farbschlacht kein Wunder das du da drauf gehalten hast

Jens
Bild Bild

Wir, die guten Willens sind, geführt von Ahnungslosen,versuchen für die Undankbaren das Unmögliche zu vollbringen !
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Wickie
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RE: Ötztaler 2010

  • Mi 1. Sep 2010, 09:01
  • Zitat
Hut ab ganz grosses Kino Das nenne ich mal RR fahren

Gruss Sanni
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RE: Ötztaler 2010

  • Mi 1. Sep 2010, 14:00
  • Zitat
Hey Ralf,

super Leistung,

toller Bericht.
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Pauls Pedi
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RE: Ötztaler 2010

  • Fr 3. Sep 2010, 14:55
  • Zitat
Ich sag nur RESPEKT!!!!Hab schon beim lesen feuchte Augen bekommen.Du bist nu erstmal mein Held
Wer keine stetige Leistung bringt, braucht auch keine Signatur!!!

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